Hundeschule Stadtwölfe

Dummyarbeit

Ursprung des Dummytrainings

Seine Anfänge hat das Training in England und diente der Ausbildung von Jagdhunden, vor allem Retrievern. Der Retriever wurde für die Jagd zum Apportieren nach den Schuss gezüchtet. Durch das Dummy (Atrappe) können die Hunde diese ursprüngliche Aufgabe auch heute ausführen, ohne dass richtiges Wild zum Einsatz kommt. Beim Standard-Dummy handelt es sich um ein etwa 50 x 10 cm grosses, festes Leinensäckchen, das 500g schwer ist. Es dient als Ersatz für ein Stück Wild und schwimmt auch im Wasser.

Die heutige Apportierarbeit verfolgt zwar immer noch den Grundgedanken der Jagdausbildung, ist aber insgesamt zu einer abwechslungsreichen Beschäftigung für den Hund geworden, die ihn körperlich und geistig fordert. Die Disziplin erfreut sich nicht nur bei Retrievern einer grossen Beliebtheit, sondern auch bei vielen anderen Rassen. Längst geht es dabei nicht einfach nur um das Werfen der Atrappe mit anschliessendem Holen. Der Hund wird durch unterschiedliche Apportieraufgaben in verschiedenen Geländen gefordert. Zudem muss er Standruhe (Steadyness) beweisen, also ruhig und konzentriert neben seinem Führer warten bis er zum Dummyholen geschickt wird. Als Basis für eine erfolgreiche Dummyarbeit gilt das gute Zusammenspiel zwischen Hundeführer und Hund.

Die Disziplin baut auf den drei Grundpfeilern Markieren, Suchen und Einweisen auf.

Markierungen
Nach einem Schuss oder einem anderen Geräusch fliegt ein Dummy. Wichtig ist, dass der Hund markiert, sich also die genaue Fallstelle merkt und die Entfernung richtig abschätzt, auch wenn er beispielsweiche nicht die gesamte Flugbahn sehen konnte. Denn das Dummy kann auch in einem Gebüsch, hinter einem Hügel oder in einem Waldabschnitt landen. Während der Hund die Flugbahn beobachtet sitzt er im Fuss, bis er mit dem Kommando „Apport“ oder „Fetch it“ geschickt wird. Er läuft dann in einer gerade Linie zum Dummy, nimmt es rasch auf und bringt es auf dem direkten Weg zu seinem Besitzer. Ist das Dummy nicht gleich sichtbar, so muss der Hund dann in höherem Bewuchs seine Nase einsetzen und selbstständig an der Fallstelle suchen. Mit der Zeit wird der Schwierigkeitsgrad erhöht, so ist wie erwähnt nicht mehr die ganze Flugbahn sichtbar, das Gelände wird variiert oder Geländeübergänge eingebaut. Zudem können auch zwei oder mehr Markierungen geworfen werden, der Hund muss sich dann die jeweiligen Fallstellen merken.

Verlorenensuche
Bei der Suche werden ein oder mehrere Dummys in einem Gelände ausgelegt. Die Stellen sind dem Hund nicht bekannt und auch der Hundeführer kennt nur das ungefähre Suchgebiet. Der Hund wird auf Kommando in das Gebiet geschickt. Er soll dies nun systematisch und konzentriert absuchen. Das bedeutet, dass die Suche in Bögen erfolgt, unter Ausnutzung des Windes und richtigem Naseneinsatz. Wichtig ist auch, dass der Hund selbstständig arbeitet und nicht den Blickkontakt zu seinem Besitzer sucht. Die Schwierigkeit besteht nicht nur in der Suche selbst, sondern auch darin, dass der Hund nicht tauschen soll. Sobald der Hund ein Dummy gefunden hat, soll er direkt zum Besitzer kommen und das Dummy nicht gegen ein anderes, das sich auf dem Rückweg zum Hundeführer befindet, tauschen.

Einweisen

Die wohl anspruchsvollste Arbeit beim Dummytraining ist das Einweisen. Hierbei kennt der Besitzer den genauen Ort an dem das Dummy liegt und leitet seinen Hund durch Signale (Handzeichen, Stimme oder Pfeife) zu diesem. Eingesetzt werden verschieden Kommandos wie Voran, Back und Rüber (Links/Rechts). Befindet sich der Hund im Umkreis vom Dummy wird der Suchenpfiff gegeben. Der Hund soll dann die Nase tiefer nehmen und so das Dummy finden und sofort zurückbringen.

 

Wichtige Begriffe:

Apport/Fetch it

Befehl um den Hund zum Dummy zu schicken

Abgabe/Delivery
Die Abgabe des Dummys an den Hundeführer. Dabei steht der Hund vor dem Besitzer, sitzt im Fuss oder sitzt vor. Das Dummy sollte in die Hand abgegeben werden.

Back
Wie das Voran erfolgt auch dieses Kommando in Kombination mit einem Handzeichen. Der Hund wird über Kopf in gerader Linie nach hinten eingewiesen. Er soll sich also um 180 Grad drehen und weiter geradeaus laufen.

Blind/Unseen Retrieve
Ein Dummy fällt ausserhalb des Sichtfeldes des Hundes. Der Hund wird durch Sichtzeichen, Kommandos (Back, Out) und Pfeifensignale zum Dummy eingewiesen.

Blinken/Blenden
Der Hund apportiert ein Dummy nicht, sondern lässt es liegen und sucht weiter.

Double Mark/Doppelmarkierung

Zwei sichtig geworfene Dummys. Hund soll sich die Fallstellen merken.

Einspringen
Steadyness ist eine wichtige Disziplin für die Hunde. Einige Hunde können aber nicht abwarten, bis der Hundeführer das Kommando gegeben hat und starten zu früh, sie springen ein. Ziel ist es aber, dass der Hund so lange still Sitzen bleibt, bis das Kommando erfolgt.

Einweisen
Das Einweisen wird benötigt, um den Hund auf Blinds einzuweisen. Es handelt sich dabei um Richtungsangaben, wie Links/Recht, Rüber und Out in Kombination mit Handsignalen.

Freiverlorensuche/Hi Lost
In einem bestimmten festgelegten Gebiet befinden sich mehrere Dummys. Der Hund konnte das Auslegen nicht beobachten und auch der Hundeführer kennt nur den ungefähren Suchbereich. Der Hund wird zur freien Verlorensuche in das Gebiet geschickt. Dieses soll er selbstständig und systematisch durchsuchen, also in Bögen unter Ausnutzung des Windes und mit Naseneinsatz. Der Hund sollte mehrmals in das Gebiet geschickt werden können und sich, wenn er das Gebiet verlässt, vom Hundeführer zurücklenken lassen.

Heelwork/Fussgehen
Heel Work bezeichnet die korrekte Fussarbeit beispielsweise beim Walk Up.

Markierung/Marking

Hund soll die Flugbahn des Dummys beobachten und sich die genaue Fallstelle merken. Je nach Schwierigkeitsgrad kann ein Teil der Flugbahn ausserhalb des Sichtfeldes des Hundes liegen.

Memory Mark

Ziel ist es, dass sich der Hund mehrere Markierungen merkt, diese werden dann entweder zeitverzögert gearbeitet, oder der Standort wird gewechselt.

Steadiness
Der Hund soll ruhig (steady) neben dem Hundeführer warten (Standruhe) und erst auf das Kommando hin starten. Natürlich darf er den Kopf bewegen, um Markierungen zu sehen, aber er soll nicht Einspringen, Bellen, Fiepen oder unruhig sein. Auch andere Hunde dürfen nicht beim Apportieren gestört werden.

Stopppfiff
Der Pfiff ist besonders beim Einweisen wichtig. Zumeist ist es ein kurzer Haltepfiff, der den Hund zum abstoppen bringt. Er blickt zu seinem Hundeführer und wartet auf ein weiteres Kommando. Hinsetzen muss er sich nach dem Pfiff nicht zwingend.

Tauschen
Manche Übungen erfordern es, dass mehrere Dummys ausgelegt werden. Beispielsweise bei Mehrfachmarkierungen oder der Freiverlorenen suche. Der Hund sollte in der Lage sein die Dummys nacheinander zu apportieren und nicht ein bereits aufgenommenes Dummy gegen ein anderes zu tauschen.

Walk up/Line
Mehrere Teams stehen in einer Linie nebeneinander. Die Hunde arbeiten abwechselnd „aus der Line“. „Walk up“ bezeichnet das gemeinsame vorwärtsgehen der Line im Gelände. Die Hunde laufen dabei unangeleint. Nach dem Schuss bleibt die Gruppe stehen und einer der Hunde wird zum Apportieren geschickt. Die anderen Hunde warten ruhig neben ihren Hundeführern. Die Steigerung ist das Treiben, dabei fällt nicht nur ein einzelner Schuss mit anschliessendem Dummy, sondern eine Vielzahl. Danach arbeiten auch hier die Hunde nacheinander.

Verleitung
Mit der Erfahrung nehmen die Schwierigkeitsgrade zu. Eine Verleitung ist ein zusätzliches Dummy, das beispielsweise geworfen wird, wenn der Hund gerade ein anderes Dummy apportiert. Dieses sollte er zwar beachten, aber zunächst nicht apportieren. Zumeist darf der Hund dann das Verleitdummy nach Abschluss der gerade ausgeführten Aufgabe noch holen.

Voran/Get Out
Einweisen auf ein nichtsichtig ausgelegtes Dummy. Das Kommando wird zumeist mit einer richtungsweisenden Hand- oder Armbewegung kombiniert. Wichtig ist die Startposition, der Hund sitzt im Fuss, der Körper und Kopf des Hundes bilden eine gerade Linie mit Blick in die Laufrichtung. Der Hund soll in einer geraden Linie laufen bis er das Dummy erreicht, oder das nächste Kommando genannt wird.